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Positive Zwischenbilanz des landesweiten Modellprogramms ‚Familiale Pflege’: Frühzeitige Hilfen für 1600 pflegende Angehörige – Gesundheitsministerin Alheit lobt “vorbildliches Projekt”

Eine positive Zwischenbilanz zogen heute im Städtischen Krankenhaus in Kiel die Partner des landesweiten Modellprojekts ‚Familiale Pflege‘: Mehr als 1.600 pflegende Angehörige wurden im vergangenen Jahr in speziellen Trainings für die häusliche Pflege ihrer Angehörigen qualifiziert.

„Damit ist es uns bereits im ersten Jahr des Programms gelungen, vielen Angehörigen von Patienten mit praktischen Hilfen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege deutlich zu erleichtern“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der AOK NordWest, Martin Litsch. Gemeinsam mit der Universität Bielefeld, mit Unterstützung des Landes-Gesundheitsministeriums und mit vielen engagierten Kliniken im Land will die AOK in den nächsten Jahren für bessere Bedingungen in der häuslichen Pflege sorgen.  

Landes-Gesundheitsministerin Kristin Alheit spricht anlässlich des Termins auch mit betroffenen Angehörigen und informiert sich so aus erster Hand über das Projekt. Alheit betont: „Mit dem Projekt „Familiale Pflege“ werden Brücken zwischen Krankenhausversorgung und häuslicher Pflege geschaffen. Dabei geht es darum, Sicherheit zu vermitteln und pflegende Angehörige in ihrem hohen Engagement zu unterstützen und zu entlasten“, so Alheit. „Das Projekt ist vorbildlich und unterstützt unser Ziel, häusliche Pflege weiter zu stärken. Viele Menschen möchten auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause wohnen“, so Alheit. In Schleswig-Holstein liegt der Anteil häuslicher Pflege bislang deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Das Projekt und weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die gezielte Information von Angehörigen in den Pflegestützpunkten sollen dazu beitragen, dass sich dies ändert.  

Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder ein Oberschenkelhalsbruch: Von einem Tag auf den anderen ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen plötzlich alles ganz anders. Die Familie muss nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt oft unvorbereitet sehr schnell Entscheidungen zur weiteren Versorgung ihres pflegebedürftigen Angehörigen treffen. Besonders betroffen sind Angehörige von alten, multimorbiden oder an Demenz erkrankten Menschen. Hilfe in dieser scheinbar ausweglosen Situation bietet den Betroffenen das Modellprojekt ‚Familiale Pflege’.  

Nicht selten wird der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Versorgung als Krise erlebt: Die Durchführung der Pflege ist noch mit Unsicherheiten behaftet, da Pflegetechniken noch nicht gelernt sind und die häusliche Pflegesituation in der Familie noch nicht abgestimmt ist. „Ein Krankenhausaufenthalt dauert heute nur noch ein paar Tage, da ist schnelle Hilfe erforderlich“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Katharina Gröning von der Universität Bielefeld.  

Speziell ausgebildete Pflegetrainerinnen bieten den Angehörigen schon im Krankenhaus einzelfallbezogene Pflegetrainings an. Dabei lernen die Teilnehmer Pflegetechniken kennen. Es geht um die richtige Lagerung und Bewegung aber auch um Körperhygiene oder praktische Hilfestellungen beim An- und Ausziehen, beim Essen und Trinken. Und sogar der Einsatz von Hilfsmitteln steht auf dem Übungsplan. Den Familien wird in Gesprächen aber auch vermittelt, wie sie ein pflegerisches Netzwerk knüpfen, damit die ganze Verantwortung nicht auf den Schultern eines Angehörigen allein lastet.  

Eine der bisher 24 am Modellprojekt beteiligten Kliniken in Schleswig-Holstein ist das Städtische Krankenhaus Kiel. „Mit der Einführung des Projekts in unserem Hause unternehmen wir einen wichtigen Schritt, um Angehörige zu guter Pflege zu befähigen und so den Drehtüreffekt von Wiederaufnahmen bereits versorgter Patienten zu vermeiden“, sagt Dr. Markus Kuther, Ärztlicher Direktor im SK Kiel. Dort hat die Umsetzung der Pflegetrainings vor wenigen Monaten begonnen. Seitdem haben bereits 124 Angehörige die Projektangebote wahrgenommen. „Die Resonanz war durchweg positiv“, freut sich Sabine Schmidt, Pflegedirektorin im SK Kiel. Das bestätigte auch Dagmar David-Sohr aus Kiel, die ihre Mutter nach dem Krankenhausaufenthalt jetzt zu Hause pflegt. „Mit den vermittelten Handgriffen in den Pflegetrainings war für uns zu Hause vieles einfacher. Wir haben viel Hilfe und praktische Tipps für den Pflegealltag erhalten und waren sehr viel besser vorbereitet, als meine Mutter nach dem Krankenhausaufenthalt nach Hause kam“, so Dagmar David-Sohr.  

Nach den ersten Trainings im Krankenhaus geben die Pflegetrainerinnen der pflegenden Familie anschließend weiter Sicherheit durch individuelle Pflegetrainings im Rahmen von Hausbesuchen. Initialpflegekurse und ein monatlicher Gesprächskreis dienen der Vertiefung der Pflegekompetenz und der Reflexion des familialen Pflegealltags. „In dieser Situation müssen mehrere Leute Verantwortung übernehmen, sonst kommt es zu Stress und Erschöpfung der Pflegenden“, so Katharina Gröning.  

Die Kosten des Modellprojekts trägt in Schleswig-Holstein die AOK NordWest im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Profitieren von dem Projekt können alle pflegenden Angehörigen unabhängig welcher gesetzlichen Pflegekasse sie angehören. Die Teilnahme ist kostenfrei.